„Die Schulgemeinschaft als Trumpfkarte“: Carl-Benz-Schule macht mit digitalen Unterrichtskonzepten aus (Corona-)Not eine Tugend

Intensiver Austausch und Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben ermöglicht Bewältigung der schwierigen Corona-Situation
 

Im März 2020 löste die „Corona-Krise“ ein weltweites Beben aus, das nahezu über Nacht das globale Leben auf den Kopf und alle Menschen vor immense Herausforderungen stellte. Dies galt natürlich auch für den Bildungsbereich. Von heute auf morgen sorgten pandemiebedingte Schulschließungen für leere Klassenzimmer, es mussten rasch tragfähige Konzepte für digitalen Fernunterricht erstellt werden, ohne dabei wirkungslose Schnellschüsse zu produzieren.

„Wie jede andere Schule standen auch wir vor der Herausforderung, den Unterricht von den echten in virtuelle Klassenzimmer zu verlegen und das quasi von einem Tag auf den anderen.“, erinnert sich CBS-Schulleiter Klaus Zeimer an die noch immer surreal anmutende Situation.

Wichtig sei es zunächst einmal gewesen, funktionierende Kommunikationswege zwischen den Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern sowie zu den Ausbildungsbetrieben zu etablieren. „Den Unterricht auf digitale Weise weiterzuführen ist sehr sinnvoll. Aber mindestens ebenso wichtig war es, trotz der räumlichen Trennung als Gemeinschaft zu agieren, einen steten Informationsfluss zwischen dem Kollegium, der Schülerschaft, den Leitungsebenen und unseren Partnerbetrieben zu halten und auf digitalem Weg das weitere Vorgehen zu besprechen und zu koordinieren.“, ergänzt Timo Kunicke, der stellvertretende Schulleiter der Carl-Benz-Schule.

Hierbei musste die Schulleitung jedoch gar keine verpflichtenden Vorgaben machen: Von Anfang an stand die Schulgemeinschaft zusammen, es wurden sofort Inhalte und Tools diskutiert, alle Lehrkräfte brachten Ideen und Input ein. Binnen kürzester Zeit entstand so in Zusammenarbeit aller ein dichtes Netz an Kommunikationsmitteln, Online-Plattformen und nützlichen Tools, das es den Lehrerinnen und Lehrern erleichterte, mit ihren Klassen und den Ausbildern/-innen der Betriebe in Verbindung zu bleiben und vor allem einen hochwertigen „digitalen Fernunterricht“ anzubieten, der innovativ und effizient ist, aber zugleich – auch in Corona-Zeiten ein wichtiger Aspekt – in vollem Umfang den Datenschutzrichtlinien entspricht.

Die Lernplattform Moodle bildet hierbei das Grundgerüst. In dieser können die Lehrkräfte „Kurse“ für ihre Klassen und Fächer anlegen, in welchen Lernmaterialien hinterlegt werden und auf die alle Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Klassen Zugriff haben. In Moodle eingebettet ist das Video-Conferencing-Tool „Big Blue Button“, mit welchem Live-Online-Unterricht durchgeführt werden kann und welches mit sogenannten „Breakout Rooms“ sogar Möglichkeiten für virtuelle Gruppenarbeiten bietet.

Die kompetente und eng zusammenstehende Schulgemeinschaft der CBS erwies sich auch weiterhin als großer Trumpf, mit dem der Corona-Krise erfolgreich getrotzt werden konnte. Die gemeinschaftliche Austauschplattform auf Moodle, das „digitale CBS-Lehrerzimmer“, entwickelte sich schnell zu einem wahren Füllhorn an Innovationen, Ideen und Konzepten. So besuchten viele Lehrkräfte beispielsweise Online-Fortbildungen und fungierten als Multiplikatoren/-innen, stellten also das erworbene Know-How den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung, welches durch gemeinsamen Austausch weiterentwickelt wurde und somit für neue Ansätze und Impulse für digitalen Fernunterricht sorgen konnte. Apps, Tools, Webseiten und digitale Unterrichtskonzepte wurden zusammengetragen, gemeinsam getestet und diskutiert: Digitale (Quiz)-Spiele, Umfragetools oder auch sogenannte „Etherpads“, mit denen Schülerinnen und Schüler gemeinsam und vor allem zeitgleich Texte produzieren oder gegenseitig überarbeiten können, sind nur einige der innovativen Ideen und Tools aus dem gemeinsam erarbeiteten Fundus des Kollegiums, die Einzug in den digitalen Unterricht erhalten haben, aber auch im künftigen Präsenzunterricht große Bereicherungen darstellen werden.

Auch Videos wurden von der Schulgemeinschaft rasch als ausgezeichnete Hilfsmittel identifiziert, um Schülerinnen und Schüler unterstützen zu können. Manche Lehrkräfte nehmen professionelle Videos auf, um Themen zu erklären oder auch um Aufgaben näher zu erläutern. Andere produzieren im digitalen Fernunterricht gemeinsam mit ihren Klassen Erklärvideos oder ermöglichen ihren Schülerinnen und Schülern das eigenständige Produzieren solcher Videos, welche dann häufig im schuleigenen Youtube-Kanal allgemein verfügbar gemacht werden. Gerade in den Berufsschulbereichen Metall- und Kfz-Technik sind dies ausgezeichnete Lehr- und Lernmittel, um wichtige Inhalte auf spannende und digitale Weise zu etablieren.

Generell ist das von der Schulgemeinschaft erarbeitete, digitale Erfolgsrezept der CBS eine Mischung aus Live-Online-Unterricht in virtuellen Klassenzimmern und sogenanntem „asynchronen“ Unterricht, also zeitversetztem Arbeiten. Mit dieser Bandbreite können die Lehrkräfte auch digital individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen von Schularten, von Klassen und sogar von Schülerinnen und Schülern reagieren.

Gerade im Berufsschulbereich, der gekennzeichnet ist durch unterschiedliche Prämissen vieler verschiedener Ausbildungsbetriebe, ist der asynchrone Unterricht ein absolut essentieller Eckpfeiler. „Um den Bedürfnissen der Betriebe gerecht werden zu können, bietet sich zeitversetztes Arbeiten einfach an, um Unterrichtsstoff in den verschiedenen Fächern in den Corona-Zeiten effizient zu vermitteln.“, stellen die beiden Berufsschul-Leiter Bernd Kumler (Metalltechnik) und Peter Zimmer (KFZ-Technik) heraus.

Die Lernplattform Moodle erweist sich hierbei als wichtiger Anker, aber auch das Medium E-Mail leistet gute Dienste. So können Aufgaben, Videos und Informationen auf kurzem Wege an die Schülerinnen und Schüler weitergeleitet werden, welche dann Lösungen, Aufsätze etc an die Lehrkräfte zurücksenden, um wiederum Tipps und hilfreiches Feedback für das Geleistete zu erhalten. Dies geschieht häufig mit einer gewissen zeitlichen Flexibilität, denn gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Familien und auch die Betriebe ohnehin stark belastet sind, ist es der CBS-Schulgemeinschaft wichtig, den Schülerinnen und Schülern zusätzliches Vertrauen entgegen zu bringen und sie so arbeiten zu lassen, dass sie – zumindest innerhalb eines gewissen Zeitrahmens - eigenständig entscheiden können, wann sie die Aufgaben erledigen. Individuelle Förderung ist ein wichtiger Eckpfeiler des pädagogischen Konzepts der Schule und allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass diesem Ansatz auch oder gerade in Corona-Zeiten Rechnung getragen werden muss. Schließlich stellt die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit ein wichtiges Merkmal eines guten digitalen Fernunterrichts dar.

Insgesamt haben sich in der Corona-Krise mehrere Aspekte offenbart, mit denen diese Herausforderung bestmöglich bewältigt werden konnte und kann: Der Wert des dualen Ausbildungssystems hat sich in diesen Krisen-Zeiten manifestiert, die feste Verzahnung und intensive Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Betrieben bewährte sich wieder einmal als wichtiges Erfolgsrezept. Die ohnehin intensive Koordination zwischen den Ausbildungsbetrieben und der Schule ist noch einmal gesteigert worden: Der Austausch mit den Betrieben funktioniert reibungslos, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Zusammenarbeit ist ebenso vorbildlich wie konstruktiv. Die Schulgemeinschaft inklusive aller Ausbildungsbetriebe ist noch enger zusammengerückt und hat mit unermüdlichen Einsatz, riesiger (Medien-)Kompetenz und Motivation sowie mit dem Ansatz, dass man als Einheit, die sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam Ideen und Konzepte sowie Innovationen entwickelt, in kürzester Zeit Bemerkenswertes auf die „digitalen Beine“ gestellt und Großartiges geleistet.

So lässt sich konstatieren: Gemeinsam wurde und wird an der CBS die (Corona-)Not zur Tugend gemacht.

 

Thorsten Kindermann/ Otmar Drackert

 

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